Stellungnahme der Fachschaft 03 zu Egbert Jahns rassistischen Äußerungen und der Tatenlosigkeit des Fachbereichs 03

Die frühzeitig warmen Temperaturen dieses Frühlings scheinen einigen schon ordentlich zu Kopfe gestiegen zu sein. So hielt es Prof. Dr. Egbert Jahn, der an der Goethe Universität Vorlesungen gibt, beim Werkstattgespräch der CDU für eine hervorragende Idee, in die ohnehin aufgeheizte Debatte um die humanitäre Krise an den EU-Außengrenzen, die sogenannten “Ankerzentren” und „sicheren Herkunftsstaaten“ seinen ganz eigenen Vorschlag einzubringen: Medienberichten zu Folge forderte er sogenannte “Flüchtlingsstädte” am Rande Europas oder auf Inseln zu errichten, die vor allem zur Abschreckung dienen sollten. “Es funktioniert dadurch, dass sie nur in den Lagern was zu essen kriegen. Außerhalb verhungern sie. Also bleiben sie in den Lagern”, erklärte Jahn.

Eben jener Professor gibt auch dieses Semester am Campus Bockenheim eine Vorlesung mit dem Titel “Politische Streitfragen in zeitgeschichtlicher Perspektive”. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Universität des Dritten Lebensabschnitts statt, findet sich im Vorlesungsverzeichnis, aber auch bei einigen Lehramtsstudiengängen und dem Bachelor für Politikwissenschaft. Während der Semesterferien war Jahns Eintrag im Vorlesungsverzeichnis für kurze Zeit verschwunden. Wer sich hier schon über ein entschlossenes Handeln der Universität gefreut hatte, wurde enttäuscht: Nachdem unter anderem der RCDS Hessen und “Polizeipräsident” Rainer Wendt schon von einer Verschwörung gegen die Meinungsfreiheit von Seiten der Universität krakeelten, stellte die Universität öffentlich richtig, es habe sich lediglich um eine Aktualisierungsmaßnahme gehandelt.

Die Tatenlosigkeit unseres Fachbereichs gegen einen verfassungsfeindlichen und menschenverachtenden Professor macht uns wütend. Unser Fachbereich leistet damit einem globalen Rechtsruck Vorschub, der die Werte und Grundfesten einer pluralistischen Gesellschaft erschüttert und liberale Demokratien auszuhöhlen droht. Ob Bolsonaro in Brasilien, die AfD im Bundestag oder rechte Professoren an deutschen Universitäten: Sie alle haben Erfolg damit den gesellschaftlichen Diskurs weit nach rechts zu verschieben und es werden Forderungen, wie die von Professor Jahn laut, die seit 1945 nicht mehr sagbar waren. All dies kann gerade deshalb passieren, weil sich Institutionen, wie Universitäten, nicht klar gegen menschenverachtendes Verhalten positionieren und die selbsternannte “Neue Rechte” die demokratischen Kräfte, die munter Fahnen tragen, auf die sie sich groß “Meinungsfreiheit” geschrieben haben, vor sich hertreibt.

Wir fordern den Fachbereich auf, jegliche rechtlichen Möglichkeiten zu prüfen und auszuschöpfen, um Herrn Jahn davon abzuhalten, weiteren Schaden an unserer Universität anzurichten und seine rassistischen Thesen weiter zu verbreiten.

Mit freundlichen Grüßen
Fachschaft 03

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