Wir als Fachschaft Gesellschaftswissenschaften setzen uns kritisch mit der zunehmend
neoliberalen Umstrukturierung der Universität und insbesondere des Fachbereichs 03
auseinander.
Wir Studierende haben als Statusgruppe nicht die gleichen Interessen wie das Präsidium oder
das Dekanat, auch wenn diese das teilweise so darstellen. Deshalb müssen wir gemeinsam
über Inhalte diskutieren und geeignete Strategien finden, das durchzusetzen, was für uns
wichtig ist.

Ein wichtiger Punkt, für den wir uns am FB 03 einsetzten, ist die stärkere Verankerung der
Kritischen Theorie in Lehre und Forschung. Bei Veranstaltungen und der Außendarstellung
schmückt sich die Uni gerne mit großen Namen wie Adorno und Horkheimer. Doch in der
Praxis der Sozialwissenschaften wird die kritische Tradition mehr und mehr marginalisiert.
Die Umstrukturierung zeigt sich nicht nur in dieser Marginalisierung, sondern auch in der
aktiven Ausbreitung anderer Ansätze. So gab es letzten Sommer am Fachbereich den Versuch
der empirisch analytisch arbeitenden ProfessorInnen ein „center for empirical research“
einzurichten, um auch in der Außendarstellung eine neues Bild des Fachbereichs zu
etablieren.
Diese Verschiebung der Ausrichtung schlägt sich aber auch jetzt schon sehr konkret in der
Lehre nieder. Die wenigen Seminare mit kritischen Inhalten sind überfüllt. Und im
Propädeutikum, der Einführungsveranstaltung für die Bachelorerstis, muss explizit ein Exposé
für eine empirische Arbeit geschrieben werden. Hier wird theoretisches Arbeiten im
Allgemeinen also von vorne herein als unerwünscht und unnötig gesetzt.
Es gibt aber ein paar Errungenschaften, die es gilt zu erhalten und zu stärken und die zeigen,
dass eigene Gestaltung möglich ist. So kann die Fachschaft jedes Semester einige sog.
Autonome Tutorien finanzieren.
Autonome Tutorien sind Seminare, die von Studierenden für Studierende angeboten werden.
Sie greifen die Interessen aus der Studierendenschaft direkt auf und bieten die Möglichkeit
sich vertieft mit Themen auseinander zu setzen, die im Hochschulalltag sonst nicht
ausreichend berücksichtigt werden. Die ATs sind aus Studiengebührenersatzmitteln
finanziert und momentan akut in Gefahr, da die Mittel, die zur Verbesserung der Lehre und
des Studiums gedacht sind, am FB 03 momentan hauptsächlich zur Konsolidierung des
Haushaltes herhalten müssen. Mit einer Rhetorik des alternativlosen Sparzwanges – das
Dekanat schreckt dabei nicht einmal davor zurück, seine Haushaltslage mit der Griechenlands
zu vergleichen – bei dem das Dekanat die Verantwortung für seine Politik auf Zwänge aus
dem Präsidium abschiebt, werden die ATs momentan blockiert.
Klar ist jedoch, dass vor allem nicht erwünscht ist, dass Studierende selbstständig und kritisch
denken und sich gemeinsam über gesellschaftlich relevante Themen austauschen statt die Uni
nach dem in der Studienordnung vorgesehen Scheinerwerb wieder verlassen.

Anfang des Jahres hat auch die neue Unipräsidentin unseren Fachbereich besucht. Angeblich
um mit diesem in Dialog zu treten. Vermeintlicher Dialog und runde Tische sind beliebt an
dieser Uni. Sie sollen die Einbindung von Studierenden in die Entscheidungsprozesse
suggerieren. Relevante Ergebnisse erzielen solche Treffen kaum. Ohne Druck von unserer
Seite wird die strukturell bevorteiligte Unileitung ihre Interessen einfach außerhalb von
Gremien und Dialog durch- und umsetzten.
So war auch das Gespräch mit der Präsidentin nur eine weitere Präsentation ihrer
neoliberalen Idee einer drittmittelfinanzierten Eliteuni, in der Studierende keine große Rolle
spielen. Statt Havard am Main sollen wir nun Teil der High Tech Strategie des
Bundesministeriums für Forschung werden. Gleich bleibt dabei, dass universitäre Bildung
nicht für alle gegeben sein soll, sondern nur die sowie so schon Privilegierten und nur sehr
bestimmte Themenbereiche noch stärker gefördert werden sollen. Widersprüche sind dabei
essentieller Teil des Programms. Trotz dieser Förderung von sozialer Ungleichheit, will Wolff
als neues sozialwissenschaftliches Kernthema die Gerechtigkeitsforschung etablieren. Dabei
zeigt sich auch ein erschreckendes Bild von Wissenschaft, in dem sie auch soziale
Experimente vorsieht. Ideologisches Geschwafel, wie es zumindest Teile der Kritischen
Theorie seien, brauche man dagegen nicht. Wo soll das nur hinführen?

Soweit einige Einblicke in den Unialltag und die hierarchischen Strukturen.
Anstrengend und frustrierend ist das, sagen jetzt vielleicht viele und zum Glück ist man bald
wieder weg hier. Die Uni sollte aber nicht nur als Durchgangspunkt gesehen werden, den man
ja eh bald wieder verlässt und an dem es sich nicht zu kämpfen lohnt. Wer dieser Logik folgt,
wird diese auch bei seinem Nebenjob haben. Den hat man ja auch nur kurze Zeit. Doch auch
nach Ende des Studiums am Arbeitsplatz werden zumindest die meisten keine durchgängige
Karriere an einem Ort haben und es werde sich ähnlich Probleme wiederfinden.
Auch mit Blick auf andere Bereiche der Gesellschaft zeigt sich, dass die Probleme an der Uni
und außerhalb – Marginalisierung und Diskriminierung gewisser Gruppen, prekäre
Beschäftigungsverhältnisse, neoliberale Sparpolitik – die ähnliche sind. Deshalb lohnt es sich
auch hier an der Uni, an der wir gerade einen Lebensabschnitt verbringen und von deren
Verhältnissen wir ganz akut betroffen sind, sich für Verbesserungen einzusetzen.
Dies tun wir als Fachschaft des Fachbereichs 03. Wir treffen uns in einem basisdemokratisch
organisierten Plenum, das nicht auf Repräsentativstrukturen und Hierarchie setzt, sondern von
der Mitarbeit aller lebt. Und dabei sind wir Studierende natürlich umso durchsetzungsfähiger,
je mehr von uns ich sich aktiv beteiligen. Es geht um die Interessen jeder und jedes einzelnen.
Damit ist auch klar, dass verschiedene Kämpfe an der Uni und außerhalb zusammenhängen
und besser vernetzt werden müssen. Auch wer nicht Hiwi ist, sollte ein Interesse an guten
Arbeitsbedingungen für diese haben. Sie wirken sich auf die Qualität der Lehre aus, aber vor
allem stützen prekäre Beschäftigungsverhältnisse an der Uni auch solche anderswo. Und wir
sind und werden alle Teil dieser sein.

Deshalb wollen wir alle gemeinsam gegen die Zwänge,
die uns umgeben, kämpfen und zeigen, dass man mit Solidarität weiter kommt als mit
geheuchelter Freundlichkeit, Vereinzelung und Konkurrenzdenken.

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