Am 27.1. zum Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus richtet der AStA dieses Jahr verschiedene Angebote und Veranstaltungen aus.

Alle Studierende sind in dem Zeitraum von 14 bis 16 Uhr offiziell durch das Präsidium der Goethe Universität von ihren Veranstaltungen freigestellt.

Der Senat der Goethe Uni hat 2015 beschlossen, dass am 27.Januar 2016 sich alle Dozierenden mit der Thematik des Gedenktages in ihren Veranstaltungen auseinandersetzen müssen.

Das Angebot umfasst folgende Veranstaltungen:

Ganzwöchige Ausstellung „Bilder einer Studienfahrt”
von Initiative Studierende am IG Farben Campus // im Foyer des HZ, IG Farben Campus

Namenslesung in Gedenken der Opfer der IG Farben
von der Initiative Studierende am IG Farben Campus // 11.30 Uhr  bis 18.00 Uhr // Foyer des IG Farben Gebäude

Dezentrale Ausstellung „Befreit? Ein fotografisches Zeitzeugenprojekt“
von Michael Bruder // 12.00 Uhr bis 16.00 Uhr

Vortrag „Wohin gehen die Transporte? Vorstellungen von den Deportationen aus Deutschland“
mit Dr. Susanne Heim organisiert vom Fritz-Bauer Institut // 12.00 Uhr // IG Farben Haus 1.314

Workshops 14.00 bis 16.00 Uhr

„Das Konzentrationslager Monowitz 1941-45 und heute“
im Common Room, Campus Riedberg // Lena Dierker, Tom Uhlig, Charlotte Busch, Carla Ritte
Im Workshop wird einführend das Zusammenspiel von IG-Farben-AG und NS-Vernichtungspolitik u.a. im KZ Auschwitz-III-Monowitz dargestellt. Im Gegensatz zu anderen KZs ist Buna Monowitz keine Gedenkstätte und findet im Diskurs um Erinnerungspolitiken nur marginal Beachtung. Daran anschließend sollen Perspektiven und Grenzen erinnerungspolitischer Interventionen gemeinsam diskutiert werden.

„Erziehung nach Auschwitz?“
im Seminarhaus 0.101.,  IG Farben Campus // Felix Kronau und Florian Kochendoerfer
Eine Erziehung denken, die darauf ausgerichtet sein solle, „dass Auschwitz nicht noch einmal sei“, stellt dieser Tage nicht weniger eine Notwendigkeit als auch eine Herausforderung dar. Welche Form muss eine ‚Erziehung nach Auschwitz‘ haben, die diese Forderung einzulösen in der Lage ist? Ist es das Wissen über das Geschehene und dessen Vermittlung, die in den Fokus gerückt werden muss? Was oder wer wird durch eine ‚Erziehung nach Auschwitz‘ adressiert und wodurch kann diese vollführt werden?

„Befreiung und was dann?“
im Seminarhaus 0.106, IG Farben Campus // Katha Rhein
Von der Befreiung Auschwitz‘ bis zum Kriegsende dauerte es noch über drei Monate. Für unzählige Menschen in Europa bedeutete das Kriegsende die Befreiung vom NS, doch die meisten Deutschen empfanden es als Niederlage, weil sie den NS keineswegs als Unterdrückung wahrnahmen. Trotzdem hatten die Alliierten offenbar Hoffnung und setzten auch auf Re-education und Bildungsreformen. Im Workshop geht es um entsprechende Pläne und ihre Auswirkungen auf das Bildungssystem.

„Inwiefern trägt die Beschäftigung mit ‚Auschwitz‘ zum soziologischen Erkenntnisfortschritt bei ?“
im Seminarhaus 0.105, IG Farben Campus // Prof. Dr. Ferdinand Zehentreiter
Es geht hier nicht nur um das Desiderat, das Konzentrationslager zum Gegenstand der Soziologie zu machen, sondern darüber hinaus um die Perspektive der grundlagentheoretischen Bedeutung dieses Themas für das Fach.

Peter Gingold „Paris – Boulevard St. Martin No. 11: ein jüdischer Antifaschist und Kommunist in der Résistance und der Bundesrepublik“
18.00 Uhr Lesung, Cafe KOZ, Campus Bockenheim // gelesen von Silvia Gingold und Alice Czyborr
Dreiteiliger autobiographischer Erfahrungsbericht des Autors über seine Zeit in der Résistance, Nachkriegsdeutschland und seine Auseinandersetzung mit Schüler*innen über Widerstand. Gingold war in der politischen Auseinandersetzung um die Auflösung der IG Farben Aktionärsgesellschaft aktiv.

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71 Jahre nach der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz stellt sich immer häufiger die Frage, welche Bedeutung hat Auschwitz in der heutigen Gesellschaft? Gilt Adornos Forderung, „Die Forderung, daß Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung“, im universitären Kontext und darüber hinaus noch? Oder geht mit dem Sterben der Überlebenden nicht ein Vergessensprozess einher, dass dieses Kapitel der deutschen Geschichte nun endlich ein Ende findet?

Auschwitz darf nicht noch mal sein. Wir finden, dass es kein Vergeben, kein Vergessen und kein Verdrängen dieser Verbrechen an der Menschlichkeit geben darf, nur durch die Bewusstmachung des Geschehenen, der Reflektion der bestehenden Verhältnisse und der Auseinandersetzung mit den Mechanismen, die zu Auschwitz geführt haben, kann Adornos Forderung sich realisieren lassen.

Aufgrund dessen möchten wir am 27. Januar an die Opfer erinnern, aber auch gleichzeitig eine ( selbst-)reflexive Auseinandersetzung mit der Thematik ermöglichen.

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